Samstag, 27. August 2011

Yummy Mummy

Heute Morgen las ich einen Artikel über Victoria Beckhams Bemühungen nach der Geburt ihres vierten Kindes wieder schnell in Größe Null (das entspricht einer deutschen 32) zu passen, um bei der Fashion Week im September alle mit ihrem schlanken Körper zu überraschen. (Auf die Fashion Week würde ich übrigens auch gerne gehen, egal mit welchem Körper.)

Ich will mich hier nicht über Frau Beckham auslassen, denn bei aller öffentlichen Kritik muß man vier Kinder erst einmal bekommen. Den Trend, dass junge, prominente Mütter innerhalb kürzester Zeit nach einer Geburt schon wieder kleinste Konfektionsgrößen tragen und dafür offenbar bereit sind, ihre Gesundheit zu schädigen, halte ich allerdings für höchst bedenklich. Nun arbeite ich nicht in einer Branche, in der eine Frau in Größe 38 als fettes Schwein gilt, und über Frauen, deren berufliches Auskommen von ihrer Figur abhängt, will ich hier auch nicht schreiben.

Das Problem liegt für mich in der vielzitierten Vorbildfunktion dieser Frauen und dem Bild, dass sich daraus entwickelt und dem auch „normale“ Frauen letztlich glauben entsprechen zu müssen. Das ist grundsätzlich beklagenswert, kurz nachdem eine Frau Schwangerschaft und Geburt hinter sich gebracht hat aber noch schlimmer. Es reicht inzwischen nicht mehr aus, sich aufopferungsvoll um seinen Nachwuchs zu kümmern, seinen Beruf für eine gewisse Zeit an den Nagel zu hängen, alles zu lesen, was an Babyliteratur auf dem Markt ist und zu Hause die Rolle der Fünfzigerjahre Hausfrau zu übernehmen (und so manches mehr), nein, bei all dem soll man auch noch großartig aussehen und wenige Wochen nach der Geburt schon wieder gertenschlank sein.

Nun habe ich persönlich Glück gehabt, die in der Schwangerschaft zugenommenen elf Kilo waren praktisch sofort wieder weg und haben noch das eine oder andere Zusatzpfündchen mit sich gerissen. Dennoch bedeutet der (lächerliche) Satz: „Ich habe meine alte Figur wieder“ auch bei mir nicht, dass ich nun mit dem modeln beginnen könnte. Ich bin zufrieden, und das ist die wahre Sensation, denn ich bin zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren mit mir zufrieden. Dieser Körper hat Babynella hervorgebracht, also kann er so falsch ja nicht sein.

Bin ich nun also eine Yummy Mummy, eine Frau, die trotz Mutterschaft attraktiv ist? Entschuldigung, wie blöd kann ein Begriff denn sein? Wieso „trotz“? Eine Frau mit Baby ist die gleiche Person die sie ohne Baby war, und das heißt, sie ist dick oder dünn, modebewußt oder nicht, hat die Haare auf halb acht oder immer top, oder irgendwas zwischen all dem. Ich kenne eine Menge Frauen, denen der Gedanke an Fortpflanzung völlig fremd ist, und die dabei aussehen wie Trümmer in Jeans. Umgekehrt gibt es so viele junge Mütter, die vielleicht noch nicht, nie wieder, oder doch schon wieder eine kleine Konfektionsgröße tragen, die einen wunderbaren Anblick bieten.

Ich weiß, das jemand, der eine junge Mutter als „Yummy Mummy“ bezeichnet, ihr eigentlich ein Kompliment machen will, aber ich finde, der Begriff offenbart doch ein höchst fragwürdiges Frauenbild. Wie schade wäre es, in dieser besonderen Zeit den müden Kopf auch noch mit der Sorge um die kritischen Blicke anderer zu belasten („die hat ja doch noch ganz schön was auf den Rippen“), statt an das eigene Wohlbefinden zu denken. Dies ist kein Aufruf zur Selbstaufgabe: Durchlöcherte Kleidung, die zu Hause „aufgetragen“ wird, weil das Baby ja eh ständig draufschlotzt ist ebenso inakzeptabel wie dreitägiges Nichtduschen.
„Wohlbefinden“ definiert sich, zumindest am Anfang, so, daß man erst mal jede Gelegenheit für Schlaf nutzt, die sich einem bietet. Darüber hinaus heißt es für die eine, daß sie ganz fix zum Friseur muß, um wenigstens um den Kopf rum gut auszusehen, für die andere, dass sie das Elterngeld erst mal im Onlineshop versenkt (mindestens neun Monate Shoppingentbehrung führen übrigens zu erhöhter Kaufkraft), und für die dritte, dass sie es erst mal gut sein lässt und sich um ihr Gewicht und Aussehen nicht weiter kümmert. Alles das ist in Ordnung, denn wenn man die Dinge jetzt nicht einfach mal machen kann wie man will, wann denn dann?

Ob Victoria Beckham sich auf der Fashion Week wohl amüsieren wird? Ich fürchte, sie wird sehr hungrig sein, andererseits ist sie das vermutlich gewohnt.

Yummy Mummy? Nein, danke! Aber ich hätte gern noch eins von diesen rosa Törtchen. Ist das Buttercreme?

Kommentare:

  1. yummy mummy, gut - das hab ich noch nicht gehört. aber über das thema aussehen nach der geburt wollt ich auch noch was schreiben. tolle vorlage ;-)
    und jetzt brech ich ins grünflächenamt ein und suche nach den personalunterlagen des rasenmähermanns ^^bis montag

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  2. Du darfst mich gern verlinken! ;o)

    Und zu dem Rasenmähermann - es muß jetzt doch raus: Wenn Dir das vor einem Jahr einer gesagt hätte! ^^ Tu ihm nichts, Verbrechen lohnt nur ganz selten!

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  3. über Gewicht spricht man nicht, Übergewicht hat man....
    Arme Vicky, immer ein leerer Kühlschrank, immer ein knurrender Magen, nee, das ist kein Leben.
    Immer nur Kasteiung und Verzicht und wofür? Um Kleider vorzuführen, die 95 % aller " normaler " Frauen sowie nicht tragen können!
    Wo sind die Cremetörtchen!!!!

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  4. Ich seh auch gerade keine, guck mal, wo sie geblieben sind! Werde dann ab nächster Woche mal nachgucken, ob sich Vickys Verzicht wenigstens optisch gelohnt hat.

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