Montag, 19. September 2011

Das Baby trägt weiß

Ein Mädchen in einem langen weißen Kleid ist nicht immer eine Braut. Wenn dieses Mädchen gerade mal 73 cm groß ist, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass sie auch nicht zum Altar schreitet, sondern getragen wird, und dass die Person, die sie trägt, kurz davor eine scharfe Biegung nach links macht und sich dem Taufbecken zuwendet.

Das Wochenende begann bereits ganz wunderbar. Am Freitag flog Babynellas Patentante aus dem fernen Österreich ein und die beiden hatten einen super Nachmittag zusammen. Am Samstag begann der Tag dann vielversprechend mit der Hochzeit einer der coolen Muttis mit denen wir einmal in der Woche abhängen. So schön! Tolle Braut, tolles Outfit, tolles Wetter! Am Abend dann aßen wir in unserem absoluten Lieblingsrestaurant zusammen mit Babynellas Paten und einem unserer Trauzeugen ein großartiges Menü. Ein wunderbarerer Abend, und alle waren überrascht, als es auf einmal furchtbar spät war.

Gestern war dann Babynellas großer Tag der mit ihrem ersten Kirchenbesuch begann. Unnötig zu erwähnen, dass sie bei der Taufe natürlich nicht geschrien hat, sondern sie um ein Haar verschlafen hätte. Im entscheidenden Augenblick war sie allerdings wach und hob anmutig das Köpfchen um sich in der Öffentlichkeit die Haare waschen zu lassen. „Merkwürdige Sitten“, wird sie sich gedacht haben. „Vielleicht eine Maßnahme, um mich von meiner Aversion gegen das Baden zu kurieren? Aber es sind Fotografen anwesend, also mach ich mal besser einen auf niedlich. Wild rumschreien kann ich das nächste Mal, wenn Mama mich zu Hause in die Badewanne stopft und ich mit ihr alleine bin.“

Danach ging es erst mal zum Brunch in ein Restaurant am See. Das Wetter spielte immerhin besser mit als angesagt war, und so war nach stundenlangem Futtergelage sogar noch ein Spaziergang am Wasser möglich. Bis die letzten Gäste gegangen waren, war es Abend.

Dann mussten noch die Geschenke ausgepackt werden, jedenfalls die, die schon ausgepackt werden durften. Wir hatten uns nämlich gewünscht, dass jeder Taufgast etwas in eine Zeitkapsel legt, die Babynella dann an ihrem 18. Geburtstag erhält. Wir wissen leider absolut nicht, was nun in der wunderbaren Schatzkiste liegt, die Babynellas Papa letzte Woche erstanden hat. Alles ist verpackt und verschlossen, und wir sind doch sooo neugierig! Aber es soll noch siebzehneinhalb lange Jahre ein Geheimnis bleiben. Die Dinge, die wir schon jetzt bewundern durften, waren liebevoll ausgesucht und werden ihr und uns sicher lange Freude bereiten. Ganz besonders langfristig dachten gleich zwei Familienzweige (ha, Wortspiel!) denn: Es werden zu Babynellas Taufe zwei Bäume gepflanzt. Der eine wird wohl auf dem Gelände ihres hoffentlich zukünftigen Kindergartens stehen. Nein, das ist keine besondere Maßnahme zur Erlangung eines Kindergartenplatzes. Echt nicht!!! Wobei es sicher nicht schadet...ähem. Aber ich schwöre, wir hatten nichts damit zu tun, die Idee kam von Babynellas Paten, der bereits mit Kirche und Kindergarten deswegen telefoniert hat. Gut, Babynellas Pate lebt ebenfalls in einer deutschen Großstadt, weit im Norden, wo der Kampf um einen guten Kindergartenplatz sicher mit genauso viel Energie geführt wird wie hier, aber ich bin ganz sicher, dass es um den Baum und Babynella ging, und nicht um eine gute Unterbringung ab dem Alter von zweieinhalb. Wo der andere Baum stehen wird, wissen wir noch nicht, die Aussage dazu war etwas kryptisch, aber wir setzen alles an eine baldige Lösung des Rätsels! Weiterhin besonders zu erwähnen ist eine Anwartschaft auf eine Mitgliedschaft im einzigen Frauenkarnevalsverein der Stadt. (Ihr ahnt jetzt vielleicht, in welcher wunderbaren Stadt am Rhein Babynella aufzuwachsen das Vergnügen hat. Und wenn mir jetzt einer mit Düsseldorf kommt, dem klemm ich den Zugriff auf dieses Blog ab!) Frauenkarnevalsverein, das klingt jetzt nach Spaß und Luftschlangen durch die Gegend pusten, ist aber so einiges mehr. Zum einen ist die Warteliste für diesen Verein so lang wie der Weg von hier bis zum Südpol. Zum anderen kann dort nicht einfach jede Mitglied werden, und schon gar nicht, wenn sie gerade mal sechs Monate alt ist. Babynella ist das erste und bislang einzige Baby, dem diese Ehre per Vorstandsbeschluß widerfahren ist. Wir sind sehr stolz!

Babynella hat ihre Party genossen. Ja, es waren viele Leute, ja, alle paar Sekunden steckte ein anderer lieber Mensch seinen Kopf in ihren Kinderwagen oder wollte sie auf den Arm nehmen. Aber sie hat es mit Begeisterung aufgenommen. Ihr zweiter Vorname bedeutet soviel wie „die Verbindende“, Neudeutsch würde man vielleicht sagen „die Netzwerkerin“, und wenn nomen wirklich omen ist, dann wird Babynella einmal irgendetwas machen, bei dem sie Menschen zusammenbringt, bei dem man freundlich und geduldig bleiben muß. Allerdings hat auch das strahlendste Baby seine Aufnahmegrenze, und letztlich hat die letzte Flasche sie dann geschafft, und sie lag fast anderthalb Stunden früher als sonst selig schlummernd in ihrem Bettchen.

Wir hatten alle einen wunderschönen Tag und bedanken uns noch einmal herzlich bei all jenen, die dazu beigetragen haben!

Babynellaküßchen!

Kommentare:

  1. Sehr schöner Text...Mal abgesehen von dem bösen Satz über meine Heimatstadt!
    Bin gespannt, ob der Baum im Vorgarten des Kindergartens Früchte trägt ;-)
    Gruß von der Braut vom Samstag!

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  2. `Tschuldigung, liebe Braut! Allerdings mußt Du zugeben, daß das Gekicher im Raum doch ganz schön laut war, als die Standesbeamtin Deinen Geburtsort vorlas. ;o)

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