Sonntag, 28. Oktober 2012

"La visite est possible avec la poussette?"*

* "Kann man hier mit dem Kinderwagen rein?"  Das war die am häufigsten gestellte Frage während unseres einwöchigen Urlaubs an der Côte d'Azur.

Wir sind nun schon wieder seit einem Monat zurück, aber auch wenn ich leider furchtbar wenig Zeit für's Schreiben habe, verdient unsere erste Auslandsreise mit Babynella der Erwähnung.

Das erste Mal im Flugzeug lief zum Glück ganz wunderbar - wir haben aber auch alles gegeben! Zum einen ist die Logistik mit zwei Koffern, einem Buggy und Handgepäck vollgestopft mit Snacks, Wasser Handpuppen, Bilderbüchern, dem Bären (the one and only!), und, und, und.. nicht ganz ohne. Im Flugzeug haben wir dann das volle Unterhaltungsprogramm gefahren, und Babynella war tatsächlich zwei Stunden lang auf meinem Schoß zufrieden. Wir waren allerdings schon ganz schön platt als wir in Nizza landeten.

Dort wurden wir dann gleich mit der größten Hürde der ganzen Reise konfrontiert: Französische Busse darf man nur durch die Vordertür besteigen - auch wenn man Gepäck im Ausmaß eines gallischen Dorfes und besagten Buggy bei sich führt. Da außer uns noch geschätzt 100 andere Menschen in den Bus wollten, und Babynellas Papa an allen Wartenden vorbei kurzerhand DOCH durch die hintere Tür einstieg, hätte das Schicksal uns fast getrennt. Der Busfahrer war nämlich ziemlich erbost über unser germanisches Selbstbewußtsein und warf Babynella und mich wieder hinaus. Den Papa eigentlich auch, aber der war sturer als wir. Am Ende hatte der Busfahrer aber dann doch ein Einsehen und winkte als allerletze Babynella und mich an ein paar erzürnten französischen Damen vorbei auf die letzten freien Quadratzentimeter Bus. "Der Papa ist schon hier drin", so sein Kommentar, und dann schlossen sich die Türen. Ein guter Moment um mich ein wenig beschämt bei ihm zu bedanken.

Logistisch war das Besteigen der Busse aber tatsächlich schon unser einziges Problem. Die Idee, in der Rushhour von Monaco zurück nach Nizza zu fahren war vielleicht nicht ganz so gut, aber mit Hilfe des Manduca haben wir auch dieses Problem gemeistert. Buggy zusammengefaltet, uns in den Zug gequetscht - und es hat uns sogar jemand seinen Sitzplatz überlassen. Nett, denn mit 12 Kilo Babynella am Hals wäre ich doch nicht ganz so standsicher gewesen.

Wir waren uns anfangs nicht sicher, wie viele Ausflüge wir wohl mit Babynella würden machen können, haben aber schnell festgestellt, daß wir uns vor Ort genauso gut bewegen konnten wie in Deutschland. Ok, Aufzüge zum Bahnsteig kann man vergessen, wir haben also öfters mal den Buggy geschleppt, aber wer sagt denn, daß Urlaub zur Erholung da ist? Immerhin kommt man voran.

Ein Highlight war ganz sicher der Besuch des Ozeanographischen Museums in Monaco. Zum Museum gehört ein Aquarium dessen Besonderheit ein zwei Stockwerke hohes, riesiges Meerwasserbecken ist. Dort schwimmen Haie und Meeresschildkröten und Babynella war überhaupt nicht mehr zu halten. Am Ende lief sie völlig überdreht durch das halbdunkle Aquarium (Herausforderung für die elterliche Aufmerksamkeit!) und rief immer wieder "Fissss! Fissss! Fissssssssss!!!!". Wir waren fix und fertig als wir raus kamen, und Babynella schlief sofort im Wagen ein.



Das Museum weist zudem eine exotische Besonderheit auf: Einen Wickeltisch. Jahaaa, Wickeln kann man in Frankreich nämlich knicken. Ich weiß nicht, ob die Franzosen mit ihren Kindern nicht rausgehen, ob sie sie unterwegs nicht wickeln, oder ob ich einfach an den falschen Orten gesucht habe. Zu Hause gilt für mich als Faustregel: Kaufhäuser und Behindertentoiletten sind immer eine Möglichkeit. Nicht so in Frankreich. Auf dem Boden der eigentlich verschlossenen Behindertentoilette bot sich immerhin mehr Platz als in der würdelos engen Kabine eines großen Kaufhauses wo ich im Stehen eine zum Glück harmlose Windel gewechselt habe. Tips zu dem Thema sind sehr willkommen!

Ein weiterer Ausflug führte uns ans Cap Ferrat, eine Landzunge an deren Spitze sich die Villa Ephrussi de Rothschild befindet. Die Baronin Béatrice Ephrussi de Rothschild hatte eine besondere Vorliebe für rosa und tröstete sich über ihre mäßige Ehe mit der Gestaltung ihrer Villa und der dazugehörigen Gärten hinweg (ein Muster, das es wohl auch heute ab und zu noch geben soll). Das Ergebnis ist wirklich sehenswert, und so verbrachten wir einen ganzen Tag in der Villa und vor allem in den traumhaften Gärten, sieben an der Zahl. Blöderweise war Babynella gleich zu Beginn eingeschlafen, so daß wir den schweren Buggy durch den feinen Kies schieben mußten. Zudem liegen die Gärten auf verschiedenen Ebenen. Babynella kann ganz toll Treffensteigen - wenn sie denn wach ist. Naja, also mal wieder den Wagen geschleppt und dafür die himmlische Stille genossen. Ein Besuch des wunderschönen Teesalons mit dem großartigen Ausblick aufs Meer sei jedem Besucher angeraten, zumal die Kellner dort (völlig unfranzösisch) unheimlich nett waren.



Ansonsten haben wir - obwohl es schon unser dritter Besuch war - viel Zeit in Nizza selbst verbracht. Ein Ausflug nach Antibes und seiner wunderschönen Badebucht fiel leider dem nicht durchweg trockenen Wetter zum Opfer, wird hier aber sehr empfohlen. Auch die Wiederholung des Ausflugs übers Meer mit dem Glasboot in Juan les Pins muß leider bis zum nächsten Mal warten. Vermutlich wird Babynella auch dann mehr Spaß an all den Fischen haben, die man durch den durchsichtigen Rumpf des Schiffes sehen kann.

Nizza selbst bietet französische Großstadt gepaart mit mediteranem Flair. Also: Shopping- und Ausgehmöglichkeiten einerseits, eine wunderschöne Altstadt und weltbekannte Strandpromenade andererseits. Ein Kleinkind auf eben dieser Promenade laufen zu lassen stellt zwar eine ziemliche Herausforderung an die eigene Konzentration und Geschwingidkeit dar, andererseits gibt es kaum einen schöneren Ort um sein Kind zwischen Spaziergängergruppen, Radfahrern und Skatern zu suchen und gleichzeitig zu befürchten, daß es über die mäßig gesicherte Uferkante auf den vier Meter tiefer gelegenen Steinstrand gefallen sein könnte.

Mit anderen Worten: Wir hatten eine tolle Zeit!

Reisen mit Kind ist definitiv anstrengender als früher, aber zu sehen wir viel Spaß Babynella an all den neuen Eindrücken hatte wog den Mehraufwand nahezu auf. Klar, abends bewachten wir in der Ferienwohnung Babynellas Schlaf statt am Strand zu sitzen, aber dafür haben wir diesmal die einzelnen Erlebnisse auch mehr genossen als früher, als immer die Frage im Raum stand: "Und was machen wir jetzt noch?".

Unsere wunderhübsche Ferienwohnung haben wir für denn nächsten Herbst gleich wieder vorgebucht, es gibt nämlich noch unheimlich viel zu entdecken, und die Cote d'Azur bekommt von uns auf jeden Fall das Siegel "Für das Reisen mit Kind geeignet".


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