Montag, 25. März 2013

Müde, aber glücklich

Neulich, bei einem zweiten Geburtstag: Eines der anwesenden Elternpaare erzählte, daß ihre Tochter an dem Abend bei der Oma schlafen würde. Kurze andächtige Stille im Raum. Dann die erste Reaktion: "Boah, Pärchenabend!". Sowas ist bei jungen Eltern selten, und wurde entsprechend wohlwollend gewürdigt. Dann haut einer spontan raus: "Geil, um acht ins Bett und endlich mal wieder richtig ausschlafen!". Schallendes Gelächter.

Irgendwie war ich beruhigt, daß es bei unseren Freunden abends auch nicht besser aussieht als bei uns. Babynella ist meistens so gegen acht im Bett und wir machen dann - nix. Also, meistens wird gelesen oder ermattet irgendein Schwachsinn in der Glotze angeguckt, zum Glück reicht es auch noch für das ein oder andere Gespräch, dessen Inhalt viel zu oft die Organisation unseres Alltags betrifft.

Man sollte es nicht meinen, aber es ist unfaßbar, wieviel Arbeit ein Leben mit  Job und Kind so macht. Früher stand die Erwerbsarbeit im Mittelpunkt der meisten Anstregungen, und kann nicht gerade sagen, daß ich da wenig zu tun hätte. Heute ist Arbeit das, was ich sowieso erledigen muß, und alles andere kommt oben drauf.

Wenn derlei in ein Gespräch einfließt, gibt es gerne zwei Reaktionen, beide, mit Verlaub, gleichermaßen schwachsinnig: "das hast du doch gewußt". Nein, das habe ich nicht gewußt. Ich wußte natürlich, daß ein Kind viel Arbeit macht, aber was das im einzelnen mit sich bringt war mir nicht klar. Es hätte auch an meiner Entscheidung pro Kind nichts geändert, aber Wissen hin oder her, deswegen bin ich heute nicht weniger müde.

Der andere beliebte Spruch: "du hast es ja so gewollt". Auch da: Nein, hab ich nicht. Ich wollte ein Kind, aber keinen riesen Sack Hausarbeit. Daß diese sich so potenzieren würde, habe ich mir auch echt nicht vorstellen können. Irgendwas ist immer schmutzig, und durch die Tatsache, daß wir nun viel häufiger zu Hause sind als früher und alle Mahlzeiten in der eigenen Küche zubereitet werden, fällt einfach wirklich eine Menge an. Das ist im übrigen keine Klage (wenn es sich vielleicht auch so anhören mag), sondern schlicht eine Feststellung.

Trotzdem gehört manches was Arbeit mit sich bringt für mich auch einfach dazu. Als ich der besten aller Freundinnen von meinen Ostervorbereitungen berichtete, erntete ich Verständnislosigkeit. "Dann hol halt nen Kuchen beim Bäcker". "Dann ist es aber kein Fest". "Es ist auch kein Fest wenn Du ein Nervenwrack bist". 

Naja, soweit ist es zum Glück noch lange nicht, daß mich das Backen eines Kuchens oder die Vorbereitung eines Brunchs in die Klapse bringen würden.

Manches hat natürlich auch mit meinem persönlichen Perfektionismus zu tun, anderes einfach mit meiner Vorstellung von einem Fest. In meiner Familie wird sowieso viel Wert auf gutes Essen als Bestandteil eines schönen Miteinanders gelegt. Mein Vater steht bis heute manchmal schon Tage vor einem großen Ereignis am Herd um sternewürdige Menüs zu zaubern, und meine Mutter hat mit mir früher immer Eier gefärbt und gebastelt. Das ist alles tief in mir drin, und es, insbesondere seitdem Babynella da ist, so fortzuführen bereitet mir große Freude.

Mir blutet regelmäßig das Herz, wenn ich die tollen Basteltips in den Zeitschriften sehe - Osterdecken selbst gestickt, fünffarbig schimmerne Eier, Blumengestecke mit Pfiff - sowas hat auf mich eine magischen Effekt. Allerdings fällt es leider zum größten Teil magels Energie unter den Tisch, umso wichtiger wird es dann, wenigstens einen schönen Kuchen zu backen und den Tisch festlich zu decken.

Und so bin ich am Ende eines langes Tages zwar immer hundemüde, aber auch immer glücklich mit dem was ich (geschafft) habe.

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