Montag, 8. April 2013

Plädoyer für Pink

Wenn ich so durchs Web kurve, stoße ich immer mal wieder auf Einträge, in denen sich erwachsene Frauen mit viel Leidenschaft darüber auslassen, wie schrecklich sie doch die Farbe Rosa für kleine Mädchen finden. Da wird die Rosaisierung von Kinderzimmern angeprangert, und auf Hello Kitty und Prinzessin Lillifee geschossen was das Zeug hält.

Ich bin auch keine Freundin von Rosa von Kopf bis Fuß, zumal man das das Kind in seinem rosa Kinderzimmer dann ja auch gar nicht mehr finden würde, frage mich aber bei manchen dieser Beiträge dann doch, wo denn eigentlich das Problem liegt.

Ich habe immer den Eindruck, daß die Abneigung gegen Rosa zunimmt, je höher der Bildungsgrad der Mutter ist (Vätern ist es meiner Erfahrung nach herzlich egal, in welche Farbe ihr Kind gewandet ist, es wird tendenziell sowieso rein nach praktischen Gesichtpunkten gekleidet).

Rosa ist zur Symbolfarbe für mangelne Emanzipation geworden, und mir scheint, als würden viele der Rosa-Hasserinnen Angst haben, ihr kleines Mädchen könne allein dadurch, daß es von dieser Farbe umgeben ist, eine schwache Persönlichkeit entwickeln, wüßte im Leben seine Chancen nicht zu nutzen, und würde sich später einen Partner mit allzu traditionellen Rollenvorstellungen suchen.

Neben dieser Vorstellung existiert natürlich noch jene von Rosa als Prekariatsfarbe. Sicher hat jede von uns schon einmal einen rosa Buggy gesehen, in dem, eingewickelt in eine rosa Decke, aus der rosa Schuhe mit Glitzer guckten, ein Mädchen saß, daß auf einen so schönen Namen wie Cheyenne-Chantal hörte. Dieses Mädchen war vermutlich anderthalb und hatte Ohrstecker und eine pinke Strähne im feinen Haar. Ja, hab ich auch schon gesehen.

Trotzdem: Ich persönlich mag Rosa. Nicht nur für Babynella, sondern auch für mich. Ich finde, Rosa in all seinen Schattierungen, von zarter Magnolie bis zu Shocking Pink ist eine frische, freundliche Farbe. Mir käme nie in den Sinn, müdes Taupe oder blasses Beige für ein kleines Mädchen zu kaufen, nur weil das ja viel besser meine politisch korrekte Haltung als problembewußte Akademikerin widerspiegelt.

Außerdem kann Rosa alles sein: Von zart und schüchtern bis zu mutig und laut. Es variiert von angenehm bis schrill, bietet eine Palette von eisig kühl bis wohltuend warm. Rosa kann alles, und ist es nicht genau das, was wir auch für unsere Kinder wollen: Alles das sein zu können, was sie wollen? Wenn es also schon darum geht, welche Assoziation man mit einer Farbe hat, so hat Rosa es definitiv verdient, einmal jenseits der gängigen Klischees betrachtet zu werden.

Babynellas Zimmer ist in türkis und weiß eingerichtet, mit einem wiederkehrenden Akzent in pink. Sie besitzt neben Kleidung in vielen anderen Farben natürlich auch welche in rosa, und ihre Lieblings-Minnie-Maus trägt ein rosa Kleid. Ich bin sicher, daß sie trotzdem im Leben ihre Frau stehen wird, denn was zählt, ist was sie im Kopf hat, und nicht das, was sie am Körper trägt.

Wenn sich also mal wieder die rosa Welle der Abneigung erhebt sage ich bloß: Entspannt Euch! Think pink! Und zieht mal wieder die rosa Brille auf! Das macht Spaß, vor allem jetzt, wo der Frühling wohl endlich tatsächlich da ist.


Kommentare:

  1. ich bin wohl auch eine von diesen akademikermüttern und was mich stört, ist nicht das rosa an sich (auch meine tochter besitzt rosa kleidchen...), sondern die ausschließlichkeit von rosa bzw. das festgelegt-werden auf rosa (s. tchibo: brotdosen für mädchen sind rosa, brotdosen für jungs sind grün). letztlich macht es doch die mischung: ich kenne nämlich auch jungsmütter, die sich darüber beschweren, dass es immer nur blaue sachen gibt für ihre kleinen. wo bleiben grün, orange, rot, gelb...?

    hab deinen blog vor kurzem erst entdeckt und les ihn sehr gern:-)

    Viele Grüße
    regina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Regina,

      es freut mich sehr, daß Dir mein Blog gefällt! :o)

      Bezüglich der Ausschließlichkeit gebe ich Dir völlig recht! Man könnte auch mal darüber sprechen, warum es eigentlich immer nur diesen einen typischen Rosaton zu kaufen gibt.

      Davon mal abgesehen, habe ich den ganzen Winter lang versucht, eine rote Strumpfhose zu kaufen - vergeblich.

      Bei Tchibo ist es neulich auch die blaue Flasche mit den Monstern drauf geworden, weil ich die viel cooler fand als die rosa mit den Eulen (wenn's wenigstens rosa Monster gewesen wären! ;o) )

      Sachen durchweg in allen Regenbogenfarben fänd ich auch toll, vor allem wenn die dann nicht gleich so aufs Geschlecht festgelegt wären. Wobei Babynella derzeit so auf Bagger abfährt, daß das nächste T-Shirt mit Bagger drauf sowieso unseres ist.

      Mal gucken, ob ich zu dem Thema beizeiten mal ein paar Empfehlungen posten kann! (Bunte Kleidung, nicht Bagger)

      Viele Grüße
      Nadine

      Löschen
    2. grüne strumpfhosen findet man auch nicht - die hab ich nämlich gesucht... aber eine rote (mit weißen punkten) hab ich bei c&a gefunden:-)
      und empfehlungen lese ich gern. bin immer auf der suche nach schönen (und bezahlbaren) baby-/kleinkindklamotten (meine tochter ist anderthalb) in allen möglichen farben. ich bin schon dazu übergegangen, bestellungen an die nähmaschinenerfahrene verwandt- und bekanntschaft aufzugeben;-)

      nochmal grüße
      r.

      Löschen
  2. Ich muss gestehen, ich gehörte bis jetzt zu den Akademikermüttern, die mehr oder weniger unreflektiert gegen den Rosawahn bei kleinen Mädchen gestänkert hat. Da hast Du mir tatsächlich etwas die Augen geöffnet! Cheyenne-Chantal in rosa-glitzer werde ich zwar nie mögen, aber gegen rosafarbene Kleidung in Maßen hat wirklich noch keinem Mädchen die Emanzipation geraubt. Was mich nur wirklich stört ist, dass man einfach selten die Wahl hat. Bei H&M &Co gibt es für Mädchen meistens rosa und für Jungen blau, grob verallgemeinert.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Caitlin,

      freut mich, daß ich bei Dir eine Lanze für Pink brechen konnte! ;o)

      Übrigens: Nichts gegen Akademikermütter, ich bin selbst auch eine!

      Die Vorsortierung im Angebot stört mich allerdings auch. Babynella durchlebt gerade eine Phase großer Baggerliebe. Ich glaube, über ein Bagger T-Shirt würde sie sich super freuen - und wo muß ich danach gucken? Genau, bei den Jungs. Eigentlich albern.

      Übrigens kann man schöne Mädchenmode in vielen anderen Farben als nur rosa bei Next http://www.nextdirect.com/de/de/home bekommen. Da hab ich heute furchtbar zugeschlagen, und dabei wollte ich doch bloß ne Jeans für mich bestellen, ähem...

      Viele Grüße
      Nadine

      Löschen
  3. Ich finde man sollte die Kinder einfach selber entscheiden lassen. Klar gibt es eine Art Pinkification und auch von der Werbung wird gezielt auf die Farbe pink als Reiz für Mädels gesetzt. Wenn meine Tochter aber gerne Pink mag, dann bekommt sie das halt auch, ist ja auch nichts dabei.

    AntwortenLöschen