Freitag, 7. März 2014

Nicht ohne meine Hebamme

Nein, Babynella bekommt kein Geschwisterchen. Aber Babynellas Freund, der kleine Wikinger ist bald ein großer Bruder. Aus diesem Grund ist bald einmal wieder "unsere" Hebamme im Einsatz - oder besser: Sie wäre es, wenn sie noch Geburten begleiten würde. Tut sie nämlich nicht mehr, weil die Beiträge für die Berufshaftplichtversicherung für Hebammen nicht nur exoritant gestiegen sind, sondern es wohl zukünftig auch kein Versicherungsunternehmen mehr geben wird, das diese Leistung überhaupt noch anbieten wird.

Die Diskussion hierüber tobt seit Monaten im Netz und zunehmend auch auf der Straße. Morgen, am 103. Weltfrauentag, wird es auch in Köln eine Mahnwache auf der Domplatte geben.

Ich würde hingehen, allerdings steppt bei uns morgen der Bär. Babynella, geboren am 100. Weltfrauentag, wird nämlich morgen drei Jahre alt und ist damit "ein ganz, ganz, ganz, ganz großes Mädchen". Wie in den letzten Jahren muß ich auch heute an die Stunden der Geburt denken, und daran, was für einen großen Unterschied es gemacht hat, daß ich eine so wunderbare Hebamme hatte.

Wencke arbeitet damals noch als Beleghebamme, hat uns also vor, während und nach der Geburt betreut. Meine Mutter ist deswegen immer noch neidisch - "hätte es sowas doch bloß schon vor 39 Jahren gegeben!".

Als am Morgen des 8. März bei mir die Wehen einsetzten war ich erst mal völlig verblüfft. Schließlich war Babynella erst für die Woche darauf ausgerechnet. Außerdem hatte ich einen Termin für einen geplanten Kaiserschnitt vereinbart, für den 11. März. Da konnte es doch nicht sein, daß das Kind sich entscheidet, einfach jetzt schon zu kommen!? Es konnte.

Im Krankenhaus angekommen sagte man mir: "Die Uhrzeit paßt, wenn Sie wollen kommen Sie direkt in den OP, in einer halben Stunde ist das Baby da.". Wencke sagte: " Es sieht alles gut aus, das kann schnell gehen. Willst Du es vielleicht doch so versuchen?". Ich kannte Wencke, ich vertraute ihr. Und ich entschied mich, auch verlockt durch die Ankündigung einer PDA, für den natürlichen Weg.

Ich bin eine große Verfechterin von Geburt im Krankenhaus, von schmerzlindernden Medikamenten. Eine Geburt im Geburtshaus oder gar zu Hause wäre für mich persönlich nie in Frage gekommen und Wassergeburten und Atemtechniken sind für mich Romantik. Aber egal wo und wie man sein Kind bekommt: Die einzige Person, die man wirklich und unbedingt dazu braucht ist eine Hebamme!

Die Anwesenheit meines Mannes spielte eine höchst untergeordnete Rolle. Die Ärztin habe ich am Ende dann doch gebraucht, stundenlang aber nicht. Und es wäre mir eine gute Dreiviertelstunde Schmerzen erspart geblieben, wenn diese Ärztin auf meine Hebamme gehört hätte, die längst erkannt hatte, daß das Hochdrehen des Wehentropfes keine Lösung darstellte.

Die Ärztin war übrigens dieselbe, die mir beim Beratungsgespräch zum geplanten Kaiserschnitt unmißverständlich ihre Mißbilligung über diese, meine ganz persönliche, Entscheidung zu verstehen gegeben hatte. Ausgerechnet diese Frau, von der ich mich so abgelehnt gefühlt hatte, betritt in der kritischen Phase den Kreissaal und begrüßt mich mit einem knappen "Ach, Sie!". Etwas ähnliches habe ich in dem Moment auch gedacht, allerdings mit einem etwas anderen Wortlaut...

Vom Eintreffen im Krankenhaus bis zu diesem Moment waren mehrere Stunden vergangen. Zeit, in der meine Hebamme sich um mich gekümmert hat, in der sie mich anleitete und anfeuerte, mir erklärte, was gerade geschah, was sie als nächstes tun würde. Bis zu dem Moment, als Babynella dann tatsächlich da war, war Wencke die eine Person, auf die ich mich konzentriert habe und der ich vertraute. Ich habe die selbstgetroffene Entscheidung zur natürlichen Geburt im Laufe der folgenden Stunden unter Schmerzen mit vielen Flüchen kommentiert. Aber ohne Hebamme hätte ich mich niemals stark genug gefühlt, die Nummer überhaupt durchzuziehen, und am Ende war dann alles gut. An dieser Stelle muß es einmal gesagt werden: Danke, Wencke!

In den Tagen danach haben wir uns im Kokon unseres Krankenhauszimmers zwar wohl gefühlt, gut betreut waren wir nicht. Das war erst wieder der Fall, als die Wochenbettbesuche einsetzten, und wir damit wieder kompetent, geduldig und freundlich begleitet wurden. Als die Wochenbettbesuche endeten, hatte ich eine Träne im Augenwinkel. Ab jetzt ohne Hebamme, die doch so ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens in dieser intensiven Zeit geworden war.

Aber wie wäre es gewesen, wenn wir von vornherein ohne Hebamme hätten auskommen müssen? Klar, geht. Irgendwie. In vielen, den meisten, Ländern der Welt ist eine solche Begleitung nicht vorgesehen, geschweige denn Kassenleistung. Hebammen gibt es trotzdem überall, und sie sind die wichtigste Ansprechpartnerin aller Gebärenden und frischgebackenen Eltern.

Ich arbeite in der Versicherungsbranche und weiß, daß es nicht gelogen ist, wenn die Versicherer sagen, daß die Hebammenhaftpflichtversicherung wirtschaftlich ein großes Risiko darstellt und Verluste mit sich bringt. Ich weiß aber auch, daß es verschiedene Lösungsmodelle gibt, deren Umsetzung einzig und allein guten Willen voraussetzt. Hier geht es vielmehr um die Frage, ob das Thema als von gesellschaftlicher Bedeutung angesehen wird, und wie ernst man Frauenrechte, fern jeden Lippenbekenntnisses, eigentlich nimmt.

Ein ganzer Berufsstand steht vor dem Aus, und die jungen Mütter sollen offenbar zukünftig zusehen wie sie alleine klar kommen. Ist das die Antwort, die Deutschland auf die Problematik sinkender Geburtenzahlen hat? Ich hoffe nicht!

Deshalb: Fordert Eurer Recht auf eine würdige, kompetente Begleitung vor, während und nach der Geburt ein. Beteiligt Euch an Aktionen, die die Politik aufrütteln und zum Handeln bewegen sollen.

Informationen zu Aktionen und Terminen findet Ihr z.B. hier:

http://www.hebammenunterstuetzung.de/aktionen

Denn falls die Sache schief geht, steht uns Frauen wohl zukünftig das unten stehende Szenario bevor...

 


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