Sonntag, 27. April 2014

Märchenjoghurt

Normalerweise bin ich, was geschlechsspezifische Erziehung angeht, relativ entspannt.

Babynella liebt ihre Fillypferde und die kleine Prinzessin ebenso wie ihre Autos und Bagger und spielt Pferd genauso gerne wie Fußball. Heute Morgen fragte sie ihren Papa wie viele Sommerkleidchen er denn so im Schrank hätte. Zur Farbe Rosa habe ich ohnehin ein positives Verhältnis, und glaube nach wie vor nicht, daß pastellfarbene Kleidung dazu führt, daß ein Mädchen sich als Erwachsene nicht wird durchsetzen können.

So weit, so gut. Diese Woche stehen wir im Supermarkt und wollen Joghurt kaufen. Ich schaufele unsere Lieblingssorten in den Wagen, da tönt es über mir aus dem Einkaufswagensitz: "Ich will Märchenjoghurt!". Erster Reflex: "Das heißt "ich möchte"!". Dann Stutzen. Märchenjoghurt? Verflixt, da war was. Zuletzt war ich auf die Produktgestaltung eines findigen Herstellers hereingefallen und hatte den rosa Joghurt mit Arielle und ihren Freunden gekauft. Hm, naja, war zumindest nicht mehr Zucker drin als in den anderen, und teurer war er auch nicht.

Aber dann kam's: "Der rosa Joghurt ist für Mädchen und der blaue ist für Jungs." Das saß. Bislang wähnte ich mich auf geschlechtsneutralem Terrain, und dachte, das Babynella keine Unterschiede macht. Blöd. Naiv. Schließlich geht sie in den Kindergarten. Und überhaupt.

Trotzdem, so wollte ich das nicht, diese Kategorisierung gefiel mir überhaupt nicht.

Geistesgegenwärtig entgegnete ich: "Wieso? Auf den blauen Joghurts sind Flugzeuge, die magst Du doch auch! Warum soll denn der blaue Joghurt nur für Jungs sein?". Babynella überlegte, stimmte mir zu und wollte dann auch prompt lieber den Joghurt mit den Flugzeugen haben. Puuuuh!

Unnötig zu erwähnen, daß ich ihn natürlich auch gekauft habe. Liebe Marktforscher und Produktdesigner, Eurer Konzept geht sogar doppelt auf, ist das nicht toll? Ihr manipuliert nicht nur Kinder, sondern die Eltern gleich mit! Oder die Eltern sich selbst? Hmpf.

Ich hätte auch den rosa Joghurt gekauft, aber ich fühlte mich mit den Flugzeugen im Einkaufswagen irgendwie cooler, irgendwie mehr wie eine Mutter, die ihrem Mädchen einen unverstellten Blick ermöglicht. Ich bin manchmal wahrscheinlich einfach total bescheuert.


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